Sabine Giese
- Über 30 Jahre Krankenschwester im Pflegewohnzentrum
- Begleitet Menschen in der letzten Lebensphase
- „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“
Sabine Giese
Zu lieben und zu lachen – das hält Sabine für unsagbar wichtig. Sie wollte seit je her mit ihrem Leben etwas anfangen, das sie für gesellschaftlich sinnvoll hält. Also entschied sie sich in jungen Jahren, Krankenschwester zu werden. Damals hätte sie nicht vermutet, dass sie fast ihr ganzes Berufsleben in der Bansiner Straße zubringen würde. Bis heute hat sie ihre Entscheidung nicht bereut.
Der Zusammenhalt im Team macht vieles einfacher
Meine Arbeit zeigt mir jeden Tag, wie kostbar und einmalig mein Leben ist und wie dankbar ich für dieses gute Leben sein kann. Als ich vor 34 Jahren als Mutter von drei kleinen Kindern im Pflegewohnzentrum anfing, war die Arbeit viel schwerer, als sie heute ist. Außer der Einstellung, dass Pflege gelebte Menschlichkeit sein muss, war die Fähigkeit, dem Arbeitspensum Struktur zu geben, die wichtigste Voraussetzung für gelungene Pflege.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar
Ich liebe meinen Beruf. Trotzdem habe ich auch schon häufig meine körperlichen und seelischen Belastungsgrenzen erreicht. Es ist schließlich nicht einfach, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, wenn dieser eine wahrhaft unmenschliche Quälerei darstellt. Die Hilflosigkeit als Helfende wäre ohne den Zusammenhalt im Team und den Rückhalt in der Familie schwer zu ertragen.
In dem Buch „Der kleine Prinz“ zeigt der Fuchs dem Prinzen, wie er mit dem Herzen sehen kann. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Oft ist es verborgen hinter Schmerz, Angst oder Aggressivität. Diese Sichtweise ist eins zu eins auf meinen Beruf übertragbar. Die Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche derer zu erkennen, die nicht fähig sind, darüber zu sprechen, ist ein wichtiger Teil der Arbeit, die meine Kollegen und ich täglich bewältigen.
Diese Welt ist reich genug für alle
Ich bin froh, dass es heutzutage nicht von der Gnade eines Königs abhängt, welche Gesetze erlassen werden, aber manchmal wünschte ich mir, dass wir alle bewusster mit unserem Leben und mit den Ressourcen umgingen, die wir von unseren Nachfahren nur geborgt haben.
Zudem wünsche ich mir, dass gerade wir in Europa etwas mehr an die Menschen denken, die weitaus weniger Möglichkeiten und Perspektiven haben – und denen es nicht so gut geht wie uns.
Diese Welt gehört schließlich uns allen.